Offener Brief an den Präsidenten der Leibniz-Universität Hannover

Sehr geehrter Herr Epping,

in den vergangenen Monaten verbreitete Stefan Homburg, Professor und Leiter des Instituts für öffentliche Finanzen der Leibniz Universität Hannover, im Internet immer wieder falsche Behauptungen und ignorierte empirische Fakten, um die Anti-Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu kritisieren. Die von ihm in dieser Sache veröffentlichten Videos und Tweets erhielten eine enorme Aufmerksamkeit in der Presse und wurden auf diversen Plattformen und in sozialen Medien zahlreich geklickt und verbreitet.

Er behauptete dort unter anderem, die Kontaktverbote und andere Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie seien unnötig und unwirksam gewesen. Hinterher relativierte Homburg zwar einige seiner Aussagen und behauptete, es sei nie seine Absicht gewesen das Virus zu verharmlosen, doch auch nach dieser halbherzigen Distanzierung fiel Homburg weiter als Redner und Besucher auf verschiedenen Demonstrationen gegen die Maßnahmen der Bundesregierung auf.

Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung muss erlaubt sein und ist selbstverständlich auch weiterhin möglich, sofern von der Meinungsfreiheit gedeckt.
Wir halten diese Demonstrationen jedoch für problematisch, da sie bewusst zahlreiche Verschwörungstheoretiker*innen und Rechtsextremist*innen anziehen und Falschinformationen verbreiten, die zur Täuschung der Bevölkerung beitragen.
Wenn jemand mit dem Rang eines Professors öffentlich auftritt, dann genießt er aufgrund seines akademischen Titels bei vielen Bürger*innen ein gewisses Grundvertrauen.
Umso schlimmer ist es, wenn sich so jemand zu fachfremden Themen ohne Rücksichtnahme auf wissenschaftliche Evidenzen zu Wort meldet.

Auf den Demonstrationen, die Herr Homburg durch sein Auftreten als Redner adelt, sind antisemitische und anderweitig problematische Verschwörungstheorien omnipräsent.
Durch sein Auftreten dort verleiht er den Demonstrationen und der Agenda der Organisator*innen mehr Glaubwürdigkeit und einen gewissen Eindruck von Seriosität.
In seinen dortigen Reden spricht er unter anderem immer wieder davon, dass der Rechtsstaat in Deutschland nicht mehr funktioniere. Er behauptet außerdem wider besseres Wissen und trotz aller Dementi seitens der Bundesregierung, dass eine Impfpflicht gegen Covid 19 geplant sei und versucht damit bewusst an die unwissenschaftlichen und esoterischen Milieus der lmpfgegner*innen anzuschließen.

Des Weiteren verglich er die Anti-Corona-Maßnahmen mehrmals mit der Politik der Nationalsozialisten und sprach davon, dass wir „Ein neues 1933″ erleben würden.
Diese eindeutige Relativierung des Nationalsozialismus und seiner Schrecken wird mit Behauptungen auf Twitter ergänzt, die Regierung finanziere bewusst „die Antifa“.

Die Verbreitung solch wahnwitziger Fake News, die mit einem ca. dreißigsekündigen, aus dem Kontext gerissenen Ausschnitt aus einer Bundestagsrede einer Oppositionspolitikerin belegt werden sollen, passt in das Bild derjenigen, die ohnehin glauben, Merkel hetze in totalitärer Absicht „die Antifa“ auf die Anti-Corona-Demos um den Protest zu unterdrücken.
Darüber hinaus nutzt Professor Homburg Ressourcen der Universität, um seine verqueren Thesen unter die Leute zu bringen.
So lud er auf dem Server der Uni ein Video seiner Rede vor 5000 Corona-Skeptikern in Stuttgart am 9. Mai hoch, welches zuvor von YouTube gelöscht worden sein soll. (Die HAZ berichtete am 19.05.2020). In besagter Rede spricht er von „gleichgeschalteten Medien“ und „korrumpierten Wissenschaftlern“. Wir erwarten, dass die Nutzung universitärer Ressourcen für diese Zwecke schnellstmöglich unterbunden wird.

Die Universität hat sich aus unserer Sicht bisher nur unzureichend von den Aktivitäten Stefan Hamburgs distanziert.
Professor Homburg muss angesichts der Verbreitung kruder Falschinformationen, der Auftritte auf problematischen Demonstrationen, sowie der geschichtsrevisionistischen Relativierung nationalsozialistischer Gräuel aus dem Dienst an der Universität entlassen werden.
Das Auftreten von Stefan Homburg schadet nicht nur dem Ansehen der Leibniz Universität, es ist auch ein Hohn für Studierende und lehrende, die im Bewusstsein der Gefahr, die die Corona-Pandemie darstellt teils schwere Einschnitte in ihrem universitären Wirken und Fortschritt hinnehmen, um sich und ihre Mitmenschen zu schützen.

 

Mit freundlichen Grüßen

linksjugend [’solid) Niedersachsen, Grüne Jugend Niedersachsen und die Jusos Niedersachsen